10/27/2014

Was ist die "Minnie Maud" - Methode ?

Minnie Maud ist eine Methode zur Heilung von verschiedenen Arten von Essstörungen.
Die Methode wurde auf der Seite von Gwyneth Olwyn ( YourEatopia ) beschrieben und anhand vorhandener Studienergebnisse in ihrer Herangehensweise belegt. 
Der Name "Minnie Maud" setzt sich aus "Minnie" (eine Abkürzung für "Minnesota Starvation Project") und "Maud" (Abkürzung für Maudsley Approach, eine familienbasierende Therapieform für Essstörungen in Amerika) zusammen. 



Das Minnesota Hunger Experiment

 Die Studie fand 1944 unter Anleitung von Ernährungswissenschaftler Ancel Benjamin Keys statt. 

Kurz erklärt : Um die Auswirkungen von Hunger auf den menschlichen Organismus und die menschliche Psyche zu studieren wurden 36 freiwillige, gesunde Männer über einen Gesamtzeitraum von einem Jahr unter beobachtung ernährt. Es gab eine 3-monatige Kontrollperiode unter normalen Bedingungen und danach folgte eine Zeit des Hungerns. Die Männer bekamen durchschnittlich 1570kcal pro Tag, mussten viele Kilometer laufen und arbeiten. 
Sie nahmen im Durchschnitt 15 - 20 % ihres Ausgangsgewichtes ab und auch körperliche Reaktionen zeigten sich. Sie froren mehr, bekamen trockene Haut, verloren Haare, ihre Libido, deutlichen Muskelumfang, und hatten Ohnmachts- und Schwindelanfälle.
Auch ihre Persönlichkeit schien sich mehr und mehr zu ändern. 
Depressivität und Aphatie zeigten ihr Gesicht. 
Die Männer begannen ihr Interesse an Dingen zu verlieren, die ihnen vorher etwas bedeutet haben. Sie wurden ängstlich, nervör und leicht reizbar. Es zeigten sich sogar teils beginnende Neurosen. Außerdem begannen manche von ihnen Kochbücher zu lesen und auch das Essen wurde teilweise ritualisiert. 
Das ist nur ein kurzer Auszug aus dem Experiment, jedoch wurde deutlich was Hungern für den Körper und vor allem auch die Psyche bedeutet und welch massiven Auswirkungen es hat.
Wichtige Erkenntnise wurden auch aus den letzten 3 Monaten der Studie gezogen. 
Die Probanden wurden wieder "aufgefüttert", nach einer Gewöhnungszeit sogar mit bis zu über 4000kcal und unter ständigem Appetit der Versuchspersonen.
 Sie nahmen stetig zu, kurzfristig überdurchschnittlich viel Fettgewebe im vergleich zu Muskelmasse. Nach einiger Zeit pendelte sich das Gewicht der meisten jedoch wieder dort ein, wo es auch vor dem Experiment lag und der Appetit normalisierte sich. 

Die gesamte Studie ist also ein ziemlich Augen öffnendes Beispiel dafür, welche Macht hunger hat und dass wir damit nicht leichtfertig umgehen dürfen. Vorallem aber auch zeigt die Phase der Wiederauffütterung, dass Heißhunger während des Heilungsprozesses einer Essstörung normal ist nichts wofür man sich schämen muss. Unser Körper holt sich zurück was ihm verwehrt wurde um sich zu regenerieren. 
Seiten zum Minnesota Hunger Experiment auf Deutsch : 

SpiegelOnline  

www.minnesota-experiment.de 

(unbedingt lesenswert. Die Studie beweist, wozu Hunger fähig ist und das man damit nicht leichtfertig umgehen sollte.)



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Mit dem Hintergrundwissen aus dieser und anderer Studien funktioniert also Minnie Maud nach einem Prinzip mit drei Punkten.


Punkt 1  : Das Essen eines Minimums an Kalorien (dazu unten mehr)

Punkt 2 : Kein Wiegen und kein Messen.

Punkt 3 : Kein Sport 



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Welches Minimum eignet sich für mich ? Laut YourEatopia sollte man sich wie folgt in einer der Gruppen hier wiederfinden :


Ein Minimum von 2500 + kcal :
Weibliche Personen über 25 und zwischen 152.4 und 173 cm. Der menstruale Zyklus bleibt aus und es zeigen sich weitere Symptome des Hungerns : Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit, trockene Haut, Haarausfall, Schwindel etc.


Ein Minimum von 3000 + kcal :
Weibliche Personen unter 25 und zwischen 152.4 und 173 cm und männliche Personen über 25 und 162.5 und 183 cm. Der menstruale Zyklus bleibt aus und es zeigen sich weitere Symptome des Hungerns : Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit, trockene Haut, Haarausfall, Schwindel etc. 


Ein Minimum von 3500 + kcal :
Männliche Personen unter 25 und zwischen 162.5 und 183 cm und Frauen mit kleinen Kindern oder Menschen mit einem unausweichlich hohen Grad an Aktivität (Job etc.). Der menstruale Zyklus bleibt aus und es zeigen sich weitere Symptome des Hungerns : Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit, trockene Haut, Haarausfall, Schwindel etc.


Grundsätzlich gilt aber auch seinem Instinkt und Appetit zu folgen, wenn Heißhunger auftritt. Deswegen auch das + hinter den Kalorienangaben. Man sollte darauf achten sich nicht einzuschränken und auch die Kompfortzone 'sicherer' Lebensmittel nach und nach zu verlassen. 
Gwyneth hat auf ihrer Seite viele tolle Artikel, die auch wissenschaftliche Fakten belegen.
Wenn man Englisch versteht, sollte man unbedingt auch folgende Artikel von ihr Lesen : 

Die Minnie Maud Guidlines
Wie viele Kalorien brauche ich ?!
Phasen der Heilung eines restriktiven Essverhaltens  
Heißhunger und warum man auch mal nachgeben sollte 
Warum man auf Sport verzichten sollte, bevor man wieder ein gesundes Gewicht hat
Erfahrungsberichte von Betroffenen 



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Vieles was sie beschreibt half auch mir mich und meine Krankheit besser kennenzulernen und Symptome einzuschätzen. Vorallem Heißhunger hat mich immer wieder in Panik versetzt. Aber eigentlich ist es auch ganz logisch und völlig natürlich und NICHTS wofür man sich schämen muss und wogegen man ankämpfen sollte.
YourEatopia half mir sehr dabei das zu verstehen und da ich im Internet öfter von jungen Menschen gelesen hab, die Englisch vielleicht noch nicht so gut verstehen, wollte ich das kurz mal erklären. 
Ich werde auch noch auf ein paar andere Punkte in späteren Posts eingehen die ich wichtig finde.
Hier nur einmal ein Link zu meinem ersten kurzen Post : Vergiss dabei den Körper nicht !



Hast du Fragen ? Brauchst du Hilfe ? Oder willst du vielleicht Erfahrungen teilen? 
Schreib mir gern ! An : kopfueberjetzt@gmx.de  
 

10/21/2014

Vergiss dabei den Körper nicht.

Erstmal eine Sache die ich gern anmerken würde und die ich mir selbst immer wieder vor Augen halten musste ist, dass du ausreichende Nahrungszufuhr und Essen nicht nur verdient hast, wenn dein BMI in einem erschreckend tiefen Bereich ist. Du bist in einem niedrigen oder sogar völligen Normalgewicht, leidest aber trotzdem unter essgestörten Gedanken, Verhaltensmustern und Angst gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln? Das ist hart und belastend und nicht weniger ernst zu nehmen als bei jemandem mit einem BMI XY.
Ich glaube, die meisten Essgestörten wissen auch recht genau, wie viel oder eben wenig sie so tag täglich zu sich nehmen. Nur um mal kurz darüber im Klaren zu werden.
Nehmen wir zwei Mädels, beide gesund und mit normaler und ausreichender Kalorienzufuhr. Die eine hat einen BMI von gesunden 23 und die andere war schon immer ziemlich schlank. Vielleicht so BMI 19. Beide reduzieren ihre Kalorienzufuhr drastisch und bleiben damit weit unter ihrem Grundumsatz. Das Mädchen mit BMI 23 nimmt auf BMI 20 ab. Klinisch also okay und im unteren Normalbereich. Bei der anderen sieht es dann schon eher schlecht aus, ihr BMI sinkt auf 16 ab. Also Untergewicht und sogar im anorektischen Bereich. Wer bitte kann mir jetzt sagen, welche der Beiden hier die gesündere ist ? Das Mädchen, dass auf BMI 20 abgenommen hat ? 
Falsch, beide haben negative Energiebilanzen erzeugt. Über längere Zeit und auf ungesunde Weise. Sie haben beide ihren Körper hungern lassen. Nicht einmal die Nahrung die der Körper für alle grundlegenden und lebenserhaltenden Maßnahmen benötigt, haben sie ihm gegönnt. Was passiert also? 
Der Körper zieht die nötige Energie die er nicht über das Essen bekommt aus sich selbst und seinen vorhandenen Energiespeichern. Das wären also als erstes die in Leber, Nieren und Muskeln vorhandenen Kohlenhydratspeicher, später werden auch die Fettdepots und Proteine genutzt um uns am Laufen zu halten. Das Gefährliche daran?
Unsere Muskeln (und dazu gehört auch unser Herzmuskel, das sollte man nicht vergessen) und auch viele andere Zellen bestehen aus Proteinen, werden also bis zu einem gewissen Grad abgebaut und in Glucose umgewandelt, um wenigstens unsere lebenswichtigen Organe mit Energie zu versorgen. Schon nach weniger als 10 Tagen stellt der Körper sich um und stellt um sich am Leben zu erhalten einige Funktionen herunter. Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur sinken.
Im Grunde ist die Natur viel cleverer als unser Verstand. Tiere, die Winterschlaf halten machen nämlich genau das : sie fahren einige Körperfunktionen herunter, weil sie nicht genug Nahrung finden können. Sie überleben also einen harten Winter ohne ausreichend Futter nur, wenn der Körper auf Sparflamme läuft.
Aber wollen wir wirklich, dass unser Körper auf Sparflamme läuft ? 


Wir können ja mal schauen wie viel Kalorien einzelne Organe für sich beanspruchen : 


Prozentualanteil am Grundumsatz
Leber26 %
Muskeln26 %
Gehirn18 %
Herz9 %
Nieren7 %
Andere 14 %

Im Internet gibt es leider so viele verschiedene Werte, die aber am Ende ungefähr auf das Gleiche kommen. Die hier sind von : http://www.dw.de/so-reagiert-der-k%C3%B6rper-auf-hunger/a-6641241



Für mich war es ein ziemlich erschreckender Gedanke, zu wissen dass ich meinem Körper nicht genug Energie gegönnt habe, um auch nur zu funktionieren. Am Anfang zählte nur der Gedanke, dass mein Körper dann an die Fettreserven geht, alles andere habe ich außer Acht gelassen. Ziemlich unklug und sehr unfair diesem Körper gegenüber, der nur für mich arbeitet. Für mich und dafür, dass er für alles herhalten kann, was mich glücklich macht. Der die Grundlage dafür ist, dass ich im Leben alles machen kann, wovon ich träume, solange ich dafür kämpfe.
Wahrscheinlich haben wir das schon viel zu oft gehört, aber es bleibt einfach so so wahr :
Unser Körper ist das Einzige, was uns durch unser Leben trägt und dafür sorgt, dass wir machen können was wir machen möchten und gehen können wohin wir wollen. 
Unser Körper hält so vieles für uns aus und kämpft gegen Viren und Bakterien für uns.
Wir dürfen das einfach nicht vergessen.